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TMS ,,ESSBERGER CHEMIST

TMS ,,ESSBERGER CHEMIST" ex. TMS ,,Wilhelmine Essberger"

Am 12.01.1954 war der Stapellauf und am 3. März war die Ablieferung an die Partenreederei MS ,,Wilhelmine Essberger", KR: John T. Essberger aus Hamburg-Altona, Palmaille 49.

Schiffswerft- und Bau Nr. 661 / Deutsche Werft AG, Hamburg / BRT: 12828 / NRT: 7264 / dwt: 18390 / Länge ü.a: 177,19m / Breite: 21,95m / Tg: 9,22m / Sh: 11,53m / Tanks: 22 mit 24670m³. Das Schiff hatte einen MAN - 8 - Zyl - Zweitaktdiesel mit 7200 PS, mit 14 Knoten durchflügten wir die Meere. Zur Besatzung zählten ca. 46 - 48 Mann.  Das Schiff fuhr Roh- und Schmieröle.

1964 wurde das Schiff bei den Emdener Nordseewerken zum Chemikalientanker umgebaut und am 8.Juni war die Wiederindienststellung mit dem Charternamen ,,ESSBERGER CHEMIST".

Leider erwischte es den Chemikalientanker auf der Reise von Rotterdam nach Texas im Golf von Mexico mit einer Ladung Aceton und Alkohol. Eine gewaltige Explosion im mittleren Ladebereich, es war, glaube ich gerade Tea Time und keiner war  zu diesem Zeitpunkt an Deck. Das schöne Schiff brach auseinander und schwamm in zwei Teilen. Das Achterschiff wurde nach den Azoren reingeschleppt und das Vorschiff mit Brücke und den restlichen Tanks wurde von der englischen Marine mit Torpedos und Artilleriefeuer versenkt. Es kamen keine Seeleute bei dieser Katastrophe ums Leben.

Ich fuhr auf diesem Schiff vom 07.07.1965 - 22.02.66 als Bedienungspersonal: Logisjunge / Messejunge. Wir fuhren von der Werft in Hamburg durch den Englischen - Kanal, Biskaya und dann ins Mittelmeer hinein, dann durch den Suez - Canal. Weiterhin fuhren wir entlang der Küsten der amerikanischen Staaten, Japan, die Westküste (San Francisko), zurück durch den Panama zum Golf von Mexico. Außerdem waren wir in den Häfen von "Mobile" (Alabama), "Houston" (Texas), "New Orleans" und "Corpus Christi " in Texas. Dann wieder zurück nach Japan. Eine Reise von den Staaten dauerte ungefähr 28 - 29 Tage, und jeden Tag wurde die Zeit entweder vor- oder zurückgestellt. Wir angelten auch Haie, wenn Kolbenziehen oder Maschinenschaden angesagt war. Dann hatte der Koch, Fred Küchenmeister, immer Fleisch für den Haken. Fliegende Fische und, dass die Delphine am Steven mit dem Schiff mitschwammen, lernte ich auch kennen. In Japan liefen wir die Häfen KOBE, JOKOHAMA und NIIGATA an. Da war immer etwas los in den Bars und Hotels. Oh, oh, der Saki war auch nicht übel. Einen großen Taifun, auf Reede liegend, hatte ich hier auch erlebt. Von Japan ging es dann rüber nach Taiwan, Kaoshiung. Hier machten wir Wettrennen mit den Rikschars. Dann fuhren wir rüber an die Westküste nach SAN FRANCISCO, unter der GOLDEN GATE BRÜCKE und an der berühmten Gefängnisinsel, wo auch Al Capone einsaß, vorbei, und weiter den River hoch. Stundenlang an den eingemotteten Kriegschiffen der Amerikanischen Marine, vorbei nach STOCKTON. Dann zurück nach ACAJUTLA (Salvador), dort war noch glasklares Wasser, und man konnte gut Baden gehen. Das Nachtleben war auch sehr schön. Hier wuschen sich die Frauen noch in alten gereinigten Ölfässern. Das nannte sich dann Waschhaus. 

Wir hatten sehr lange Liegezeiten mit dem Tanker. Einmal sogar 13 Tage. Ob das so gut war? Denn jeder Hafen kostete immer richtig viel Geld. In Japan hatte ich sogar schon Taxis gesehen, da waren Fernsehmononitoren an Bord.

Noch heute vermisse ich die schöne Zeit. Die Fahrten durch den Panama - Canal mit ihren Schleusen und Festmacherlokomotiven. Das war immer sehr interessant. Den Hafen COLON sind wir auch angelaufen. Es war nicht schlecht, was man dort alles erleben konnte. Dann kam wir nach Europa, wo wir den Abmusterungshafen ANTWERPEN (Belgien) anliefen.  Mit den anderen 21 Mann musterte ich dann ab und wir fuhren über Köln nach Hamburg, wo ich mit den anderen 4 Seeleuten ankam. Der Rest verteilte sich in Deutschland.

Ich war in der Großen Elbstraße, unten am Neuen Fischereihafen groß geworden. Eine Strasse höher war die Palmaille, der Sitz der Reederei John T. Essberger und DAL.

Wer Fehler findet darf diese gerne behalten.

03. TMS,,Essberger Chemist"

Reederei: John T.Essberger.
Am 7.07.1965 fing ich hier als Logisjunge an.
Unterscheidungs-Signal: DHFW, BRT: 12.837 mit Heimathafen Hamburg.

Angefangen hatte alles auf einem Bauernhof.

Ich war die letzten 2 Jahre auf einem Bauernhof in einer Pflegefamilie in Niedersachsen zwischen Nienburg / Weser und Sulingen, im Außenheim Borstel über Sulingen, Kreis Nienburg /Weser. Aber das war noch nicht alles. Der Bauernhof war in Bockhop, drei Kilometer weiter, und vier Kilometer von unserer Heimschule in Borstel entfernt. Wir waren in dieser Region ca. 50 Kinder vom Stefanstift (Hannover), einem Kinderheim. Wir waren aufgeteilt auf verschiedene Bauernhöfe, ja sogar ein Schmied im Dorf hatte ein Kind aufgenommen. Es gab zu dieser Zeit gute Familien und auch nicht so gute. Ich hatte wahrscheinlich auch noch das Glück, eine einigermaßen gute Familie zu bekommen. Hausaufgaben gab es bei uns nicht, dafür aber Arbeit auf dem Bauernhof. Und das nicht wenig. Mir soll keiner sagen, dass es Anfang der 60iger Jahre keine Zwangsarbeit in Deutschland mehr gab. Wenn man Aufmüpfig war, gab es auch noch Schläge mit dem Rohrstock. Das machte dann der Heimleiter Jedamski. Die Familien wollten sich wohl nicht die Hände schmutzig machen. Nun aber erst einmal zu dem wesentlichen.

Im Frühjahr 1965 wurde ich aus der Heimschule entlassen und war noch nicht einmal sechzehn Jahre jung. Ich bekam eine Fahrkarte nach Hamburg-Altona, in meine Heimat, in der Großen Elbstraße 258 a. Das war gegenüber vom Fischereihafenrestaurant Sellmer und den Fischhallen. Meine Familie war versoffen und verkracht. Was lag da nicht näher als zur See zu fahren, denn meine Brüder hatten es ja vorgemacht. Bloß weg aus dem Elend. Oben war die Pallmaille mit vielen Reedereien und Maklern. Auch in der großen Elbstraße gab es Reedereien, vor allem die aus der Kümofahrt. Ich hin zur Seekasse. Dort machte ich die Gesundheitskarte und beantragte ein Seefahrtsbuch. Als ich das zusammen hatte, versuchte ich es erst einmal in der Küstenschifffahrt. Ich fuhr auf den Kümos: MS >Rita M<, 147,15 BRT, am 31.03.1965, und auf der MS >Friedel<, von der Vega Reederei, als Kochs und Messejunge. Ich hatte gelernt, auf einem Schiff ist es wie in einer großen Familie. Dann bekam ich am 07.07.1965 als Logisjunge den Chemikalientanker TMS >Essberger Chemist<. Das war ein Chartername, richtig hieß das stolze Schiff TMS >Wilhelmine Essberger<. Als ich auf dem Schiff anmusterte, lag es noch in der Werft in Hamburg. Mein Vater brachte mich noch an Bord und ließ sich noch was von mir unterschreiben. Nach 7 Monaten und 15 Tagen wusste ich auch, warum. Er konnte an mein Konto ran, welches natürlich auch ausgenutzt wurde. Mein so genannter Ziehschein, das monatliche Restguthaben, ging dort immer hin. Als ich abgemustert bin und in Hamburg ankam, hatte ich nicht viel Geld auf dem Konto. Im März 1966 mußte ich gleich wieder ein Schiff nehmen. Es war der Bulker MS >Uwe<, von der Vega Reederei. Aber nun etwas Schöneres aus dieser Großen Tankerfahrt. Ich bekam meine Kammer mit noch einem Logisjungen zugeteilt. Wir hatten uns viel zu erzählen, von wo wir herkamen und so weiter. Ich glaube, wir hatten auch ein Bier, naja man wollte uns ja auch die Seefahrt schmackhaft machen. Dafür hatten wir nicht geraucht. Am nächsten morgen begann auch unser Dienst, und ich stellte fest, dass ich einige Seeleute kannte. Da war der Koch, Fred Küchenmeister, der mit meiner Schwester zusammen war. Wie lange, weiss ich aber nicht, und noch zwei Matrosen von der Küste, vom Schellfischposten. Also, wir verließen die Werft und fuhren die Elbe runter, an Blankenese, Falkensteiner Ufer, unseren geliebten Campingplatz und Wedel Schulau, der Begrüßungsanlage vorbei. Man wünschte uns eine gute Reise und eine glückliche Heimkehr. Es wurden die Flaggen gedippt. Weiter ging es an den kleinen Häfen: Uetersen, Elmshorn, Glückstadt, Wewelsfleth, eine Schiffswerft mit dem Namen: Hugo Peters, vorbei, und an Brunsbüttel, dem Nord-Ostsee-Kanal, früher hieß er Kaiser-Wilhelm-Kanal. Dann kam schon der Große Vogelsand, wo mehrere Schiffe gestrandet sind. Das waren z. B.: Die >Fides< und die >Ondo<. Die liegen noch heute dort. Und noch auch die >Luise Leonhardt< liegt dort. Es ist ein sehr gefährlicher Mahlsand. Es ist schlimmer wie in einem Moor. An Backbord sahen wir von Hamburg ausgehend noch die Howaldswerke HDW, die es ja auch in Hamburg seit langen nicht mehr gibt. Dann erschien Hamburg Finkenwerder mit ihren 50-80 Elbe- und Hochseefischkuttern, vorbei an der Kümoschiffswerft J. J. Sietas. Von dieser guten Schiffswerft hatte ich viele Schiffe. Dann kamen die Inseln in der Elbe, vorbei an Stadersand. Im Hafen von Stade gab es auch eine Schiffswerft, von dort hatte ich die Schiffe MS >Hanngrid< und MS >Atlantis<, von der Reederei Gustav Krönke, später Harry Nagel aus Drochtersen an der Elbe. Krautsand kam in Sicht, eine Elbinsel, und dann das schöne Wischhafen. Neuhaus an der Oste, mit dem Ostesperrwerk (eigentlich hat die Vegareederei dieses Sperrwerk gebaut, denn wir haben immer Kies und Baumaterial aus Dänemark dort hingeschippert). Dann fuhren wir an Cuxhaven, dem Großen Fischereihafen, vorbei und ließen auch die Feuerschiffe >Elbe I< und >Elbe II<, sowie >Elbe III< in der Deutschen Bucht an Backbord liegen. Wir begaben uns in die Nordsee, Kurs vorbei an >Borkum Riff<, auch ein Feuerschiff. An Holland und Belgien, beginnend an Frankreichsküste, vorbei im Englischen Kanal hinein, an Steuerbord lag Dover, mit dem Kreidefelsen. Es war eine sehr schöne Küste, die Südküste Englands. Ich war später in der Holzfahrt mit der MS >Patria< einmal in dem schönen Hafen Milfordhaven. Dann, oh Gott, kam das berühmte Landsend, hier geht es in die Irische See. Wir fuhren weiter in die Biskaya hinein, auch bekannt durch die Stürme und Grundseen. Wir ließen dann aber bald Spanien und Portugal, eine lang gezogene Küste an uns vorbeiziehen. Irgendwann änderte sich der Kurs nach Backbord, an Gibraltar vorbei, und schon waren wir im Mittelmeer. An Steuerbord war die Afrikanische Küste zu sehen. Marokko, Algerien, Tunesien, Lybien. Dann kam Ägypten mit dem Suez – Canal, und wir lagen auf Reede von Port-Said, an der anderen Seite war das so genannte Israel. Für mich war alles Fremd hier. Es kamen viele Händler an Bord und in die Kammern. Man mußte abschließen, ja sogar die Bullaugen zu machen. Ich kaufte hier für meine Mutter, obwohl meine Kindheit ja nicht so gut war, ein Armband und schickte es zu Ihr nach Hause. Später hatte ich erfahren, dass es in einem Pfandhaus gelandet war. Schade eigentlich. Dann irgendwann, war ein Konvoi von Schiffen zusammen, und es ging in den Suez Canal hinein. Hier wurde nur im Konvoi mehrerer Schiffe gefahren, bis zur Weiche, oder der bekannte Bittersee. Man ließ dann den Konvoi der anderen vom Roten Meer und dem berüchtigten Horn von Afrika, wo heute die Piraten heimisch sind, kommend vorbei, so dass der letzte Teil des Schifffahrtsweges frei war. Wir ließen dann die Arabischen und Afrikanischen Länder zurück und nahmen Kurs auf Japan, der Hafenstadt Yokohama und Kobe, an der anderen Seite liegend Niigata, wo ein schweres Erdbeben war. Jedes mal, wenn in diesen Regionen und Hafenstädten irgendetwas passiert, denke ich an diese schöne Zeit zurück. Auf der Überfahrt hatten wir einmal Maschinenschaden, und es wurde Kolbenwechsel gemacht. Der Koch Fred hatte für solche Fälle immer Fleisch an einem großen Haken parat, der wurde dann achtern über Bord geschmissen. Im klaren Wasser konnte man dann erkennen, ob sich ein Hai nähert. Hatte er angebissen, wurde er mit der Achterwinsch hochgehieft und getötet. Die Flossen nahmen Matrosen ab. Sie wurden getrocknet und mit Bootslack lackiert. Dann auf einem Mahagonibrett befestigt, eine Jahreszahl drauf, schon hatte man ein Souvenier dieser Reise. Dieses wurde auch mit den so genannten Fliegenden Fischen gemacht. Da unser Tanker beladen sehr tief lag, und durch die Wellen und der Gischt diese Fische aus der Welle an Deck flogen, sammelte man diese auf. Sie wurden innen ausgehüllt und dann mit Tabak getrocknet, danach zugenäht, und auch mit Bootslack angepönt. Nun hatte man wieder ein schönes Mitbringsel. Es gab auch welche von Bord, die haben diese Fische mit Flügeln gebraten und gegessen, sahen ja auch aus wie Heringe, nur mit Flügeln. Eigentlich können diese Fischlein gar nicht fliegen. Sie kommen nur mit Schwung aus der Welle und der Gischt heraus und fliegen dann ziemlich weit, das sieht dann so aus, als wenn sie fliegen. Fast die ganze Zeit über nach Japan begleiteten uns, seitlich und unten im Wasser, am Steven, Delphine. Ich hatte mal Fotos gemacht, die sind aber alle kaputt gegangen, bei einer Holzfahrt von Halmstad, durch das Kattegatt, dann durchquerten wir das Skagerak, und hinein ging es in die Nordsee. Dort hatten wir Steuerbord die Kammern unter Wasser.

Bevor wir in Yokohama ankommen, nun erst einmal etwas vom Schiffsbetrieb und das Leben an Bord. Wir waren ja nun die so genannten Messbüttel an Bord. Auch Zuständig waren wir für die Reinigung des Schiffes, Kammern, Messing putzen, usw. Auch das Aufbacken in den Messen, Tee (10 Uhr Tea Time) und Kaffee kochen (15 Uhr Coffe Time).

Es gab ja das Vorschiff zwischen Achterschiff und mehreren Tanks. Dort wohnten und lebten der Kapitän und die Steuerleute. Ich glaube es waren drei: Erster, Zweiter und der Dritte. Dann war da noch der Chief, der erste aus der Maschine und ein Funker, sowie der erste Steward (genannt im englischen: Chief Steward). Ich muss sagen, mit dem hatten wir Glück. Der hatte den so genannten Zollspind unter sich. Normal gab es nur 2 Flaschen Bier pro Tag, und am Wochenende, entweder eine Flasche Peng oder einen Kasten Bier. Selbst wir jung Lüd hatten keine Probleme, da wurden keine Unterschiede gemacht. In irgendeiner Kammer war immer eine Party, und man saß dann beisammen. Achtern nun gab es die Manschaftsmesse und die Unteroffiziersmesse. Zur Unteroffiziersmesse gehörten der Storekeeper, Pumpmann, Bootsmann und der Schiffskoch. Mit den Seeleuten in diesen Messen kam ich sehr gut klar. Es waren tolle Menschen, die aus allen Ecken der BRD kamen, man lernte viel dazu und hörte sich die alten Geschichten und Storys an. Die Mannschaftsmesse war leider nicht getrennt, denn die Decksmänner, und die, die aus der Maschine, konnten sich eigentlich immer irgendwie nicht riechen. Fragt mich aber nicht warum?! Da waren die Tische des Maschinenpersonals, das waren: Heizer; Schmierer, Reiniger und die Assis, die kurz vor dem C-Patent standen, und die andere Ecke die, der Matrosen, Leichtmatrosen, Jungmänner und dem Decksjungen, genannt Moses. Achtern waren zwei Messstewards und drei Mess -und Logisjungen. In der Küche waren der Koch, Schlachterkochsmaat und ein Bäckerkochsmaat. Außerdem, und diese beiden hätte ich bald vergessen, es gab noch einen Elektriker an Bord, genannt der Blitz. Unter anderem war da auch noch ein Wäscher an Bord, der unsere Wäsche gewaschen, gestärkt und gebügelt hat, damit wir vernünftig an Land gehen konnten, und das Image der Reederei Essberger, der Wörmann und DAL wahren konnten. Der Wäscher hieß mit Namen Max (war ein Chinese), wie auf allen anderen Deutschen Schiffen auch. Das war der Spitzname des Wäschers. Denn wir vertraten ja unsere Reederei, aber oft genug wussten wir da nichts mehr von. Einmal hatten wir auch wieder eine kleine Party an Bord und ein Seemann aus der Maschine bekam einen so genannten Tropenkoller oder Moralischen, der drehte mit einem mal ab. Überall hatten wir in den Räumen, Gängen usw., selbst aufgefüllte Feuerlöscher an den Wänden hängen. Diese waren mit Chemikalische Flüssigkeiten befüllt. Wenn man diese Feuerlöscher umdrehte, vermischten sich diese Chemikalien, dann hatte diese Feuerlöscher erst eine Wirkung. Nun nahm sich ein Reiniger so einen Feuerlöscher über die Schulter, und das weiß ich noch wie heute, wo er lang lief, war alles voller Schaum. Ich weiß bloß, wir als Reinigungsleute, haben saubergemacht. Diese Reinigung verlief sehr schnell, denn zum Glück, wohnte die Obrigkeit vorne. Das hat auch keiner herausbekommen, außer dem ersten Steward. Er wusste es, denn er saß den Abend selbst im Kreise aller, aber irgendwie hielten wir doch alle zusammen. Spiegelglatte See hatten wir und fuhren einen Kurs. In den Kammern mit den Bullaugen gab es Windhutzen. Die wurden, wenn das Bullauge auf war, reingesetzt und in den Fahrtwind gedreht, so dass kühler Seewind in den Kammern kam. Leider kam es einmal ganz anders. Wir mußten einem Schiff ausweichen, und da war es geschehen. Das Schiff neigte sich nach Steuerbord und durch diese Bleche schöpften die Kammern richtig Seewasser. Oh, was hatten wir zu feudeln und zu schöpfen, denn es war an Steuerbord Seite, wo die Bullaugen auf waren, alles voller Wasser. Erwähnenswert war auch das tagtäglich über Seefunk Auszüge des Hamburger Abendblattes in den Messen verteilt wurden. Somit hatten wir etwas aus der Heimat zu lesen. Angekommen in Yokohama lagen wir auf Reede, und es kamen kleine Küstentanker und haben uns geleichtert. Hier kaufte ich auch ein japanisches Teeservice, welches gleich nach Deutschland, zu meiner Familie, geschickt wurde. Ich habe es nie wieder gesehen. Es ist wohl damals, wie auch andere Teile von mir, im Pfandhaus gelandet. Wir bekamen eine Fährverbindung an Land. Das war ja was Neues für mich. Ich hatte mich auch Landgang fein gemacht. Dann gingen wir abends an Land. Wir waren noch keine 18, und normal mußte man um 22 Uhr an Bord sein. Aber auf diesem Schiff der Reederei Essberger, unsere Chefin Frau Rantzau, lief wohl alles anders herum. Denn bei der Hapag und Hamburg-Süd lief, glaube ich sogar der Messejunge in Uniform. Geld, die Währung Yen, wurde bestellt. Ich glaube 10,00 DM waren damals ca. 1000 Yen. Wir waren mit der Fähre rüber an Land, sind am Kai angekommen, doch was ist denn das? Da standen viele Taxis mit kleinen klappbaren Katalogen mit Fotos von Frauen, und in welcher Bar sie sind. Da war z. B.: die Hamburg-Bar oder die Paris – Bar. Die Taxen fuhren uns dann dahin, und man war im Paradies der Seeleute, das war toll. Was mir 1965 in Japan aufgefallen ist, die Taxis hatten teilweise einen Fernseher im Auto. Zuhause kannte ich noch keinen. 1967 bekam meine Mutter erst einen Fernseher, als mein Vater verstorben war. Mein Vater sagte immer, schaut aus dem Fenster dann kiekt schie in de Ferne över den Hoben. Nächsten morgen, der Dienst mußte ja weiterlaufen, sind wir mit der Fähre zurück an Bord. Da sah ich die Matrosen, Reiniger und andere vom Schiff. Die Gallonen Saki (Japanischer Reiswein) waren warm angesetzt. So wurde es dann auch getrunken. Aber irgendwie schafften wir fast jeden Tag die Arbeit und das Vergnügen. Soll ich auch noch erwähnen, dass wir 13 Tage dort lagen. Der Vorschuss an Bord mußte schon genehmigt werden. An einen Tag meldeten wir uns beim Zahnarzt in Yokohama an. Der Bootsmann nahm mich mit. Eins weiß ich, das war ja wie in einer Fabrik. Wir saßen auf den Warteplätzen, vor uns standen ungefähr 12 Stühle, wo bei den Patienten rumgedocktert wurde. Der Bootsmann fragte mich, ob ich Lust zu so einer Untersuchung hätte. Ich war sowieso schon am zittern, und beneinte. Er sagte zu mir: „Na, dann komm, machen wir uns einen schönen Tag." Ich brauchte den Abend und die Nacht, an denen wir zu unseren Mädels gingen, keinen Yen mehr bezahlen. Ich hatte ja sowieso nicht soviel Geld. Meine Heuer war 78,00DM. Denn die Überstunden waren mehr wie die Heuer, und dazu kam noch die Tankerzulage, Auslandszulage. Wir fuhren Flugzeugbenzin für den Ami, für den wir ja auch in Charter waren, und bekamen teilweise auch Kriegszulage oder so ähnlich. Die Nebenkosten waren ja höher wie die Heuer.

In Yokohama auf Reede erlebte ich auch den ersten schweren Taifun. Man war das ein Sturm, aber wir hatten es überstanden. Später kamen dann noch einige dazu.

Wir fuhren weiter in den Hafen nach Kobe. Daran habe ich wenige Erinnerungen. Ich weiß, dass wir am Futjijama mit der Eisbedeckten Spitze vorbeigefahren sind. Ein Spruch in Japan heißt "Wer einmal den Futjijama gesehen hat, kehrt wieder nach Japan zurück". Wir lagen auch nicht lange in Kobe. An einen Abend war ich an Land und bin schön zum Essen gegangen. Man bekam auch als Europäer Besteck (Messer + Gabel). Dann fuhren wir um Japan herum nach Nijgata. Dort lernte ich, wie man so sagt, auch ein Mädel kennen. Wir gingen in ein Hotel. Dieses Hotel war so gebaut, das dass Bad auf jeden Flur (Etage) war. Die Japanesinnen gingen immer vorher baden mit ihren Geliebten. Meine Güte, was mußte ich alles ertragen. Damals war ich ja noch so jung und schüchtern. Auch wenn Sie eine Perücke hatte, hatte später doch alles toll geklappt. Sogar zu meiner Zufriedenheit, und das alles, obwohl ich gerade mal 16 Jahre jung war. Nun verließen wir Japan und nahmen Kurs auf Taiwan (Nationalchina). Die Hafenstadt hieß Kaoshiung. Was war denn hier schon wieder los? Da war eine U-Boot Sperre nachts, ab 22:00 Uhr. Kriegszustand und, und, und. Am Tage kamen Boote mit Frauen, und wenn man Lux Seife hinuntergeworfen hatte, hatten Sie ihr Gesicht gezeigt. Aber an Land ging es dann richtig los. Wir fuhren mit den Rikschas und wollten als erstes in den Bars sein. Daraus entwickelten sich richtige Wettfahrten. Jeder gab einen Taiwandollar mehr für den Rikschafahrer, so nannten wir damals die Währung. Aber ans Ziel kamen wir sowieso. Bar, Mädels mit Bleibe, und dann das gleiche, was ihr euch schon denken könnt. Aber oh graus, hier war es kein Hotel oder ein Zimmer, hier waren es Räume. Die waren einfach nur abgeteilt mit Tüchern. Das war ja eigentlich egal, wenn man dabei ist, bekommt man sowieso nichts mehr mit. Hier in Kaoshiung hatten wir Melasse geladen und fuhren Richtung San Francisco nach Stockton, einem River ca. 8 Stunden hoch. Wir fuhren vorbei an den Galapagos Inseln. Leider hatten wir nicht gestoppt, denn diese Urwelttiere, die hier leben sollen, hätte ich, Bangbüx, bestimmt gerne in Natur gesehen. Dann kam die Westküste Amerikas in Sicht. Vom weiten sah man schon die Golden Gate Bridge, unter der wir durchgefahren sind. Ein gewaltiges Bauwerk, und in Hamburg war die Köhlbrandbrücke noch nicht einmal in Planung. Wir fuhren vorbei an der berühmten Knastinsel Alcatraz. Wir fuhren an San Francisco vorbei, den River hoch, ca. 6-8 Stunden. Auch an Militärisches Arsenal, hier lagen Schiffe kilometerweit, teilweise 3 Stück nebeneinander eingemottet und zum Aufrüsten bereit, fuhren wir vorbei. Dann kamen wir in unseren Zielhafen Stockton an. Hier hatten wir nun unsere Ladung gelöscht und nahmen auch wieder Ladung mit nach El Salvador, zum Hafen Acajutla (El Salvador). Um welche Ladung es sich hier gehandelt, weiß ich leider nicht mehr, nach ca. 45 Jahren. Eine Hafenstadt, die halb im Dschungle gelegen, der Strand und die Tropischen Bäume, sowie das Flair der Küste, des Strandes und das klare Wasser, haben mich fasziniert. Wir lagen an einer langen Holzpier und hatten mehrere Tage Zeit. Wir gingen an Land. Es war die Natur, das Leben, und natürlich die hübschen Frauen, welches mir dieser Hafen angetan hatte. Um an Land zu gehen, mußten wir herumgehen, um in das Zentrum an Land zu kommen. Es waren für diese Region wahrscheinlich sehr gute Hütten, na ja, an Kakerlaken hatten wir uns schon gewöhnt. Es gab so Art Kneipen, in denen man einmal bezahlte, dann hatte man eine Frau plus Getränke, und so weiter frei. Selbst am anderen Morgen konnten wir uns waschen, aber fängt nicht das Lachen an. Es war gegenüber, hinter einer Hütte im Freien, und es hieß: Waschhaus. Da sah ich sie, die Schönheiten dieses Landes. In einer aufgeschnittenen Öltonne mit Regenwasser aufgefangen. Die Frauen standen da drin und hatten sich gewaschen. Zum Glück hatten wir auf unserem Dampfer die Möglichkeit zu duschen. Hier lagen wir auch mehrere Tage. Am Samstag gingen wir fast alle spazieren, durch den Urwald. Später kamen wir an eine Tankstelle mit Kaffeteria, oder so ähnlich. Soviel Durst, wie wir alle hatten, sprangen wir da hinein und erblickten einen alten Coca Cola Kühlschrank. Wir stürzten uns auf die edlen gekühlten Getränke, aber nix da, der hatte gar keinen Strom. Die ganze Tankstelle im Urwald hatte gar keinen Strom. Getankt wurde mit Handpumpe. Wir marschierten dann mit allen Leuten zurück an den Strand zum baden. Ich weiß bis heute nicht, ob die Fische, die ich im glasklaren Wasser gesehen habe, beißen oder giftig waren. Aber wir Seeleute hatten sowieso keine Hemmungen.

 

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